Bad Gastein

Eine zeitgeschichtliche Reise Das für seine Thermalquellen weltbekannte Gasteinertal ist eines von jenen Dutzend Tauerntälern, die vom Kamm der Ostalpen her in das Längstal der Salzach einmünden. Alle diese Täler führen gegen Süden zu hochgelegenen Passübergängen, die eine Überschreitung ermöglichen. Das Tal von Gastein leitet zu den zwei wichtigen Tauernübergängen empor, dem Korntauern (2463 m) und dem Mallnitzertauern (2414 m). Erst durch den Bau der Tauernbahn am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der bis dahin betriebene Säumerverkehr über die Tauernpässe eingestellt. Besonders die Bodenfunde liefern zurückreichende Informationen und Aufschlüsse über die Geschichte Gasteins. In einer alten Holzverpfählung nahe der Elisabethquelle wurden eine Bronzemünze des Kaisers Trajan (98-117 n. Chr.) und neben der Grabenbäckerquelle ein römischer Schreibgriffel ( stilus ) gefunden. Diese Funde lassen erahnen, dass die Alpen und damit auch das Gasteinertal, die uns die Römer vor 2000 Jahren als kulturfeindlich und schrecklich ( horridae alpes ) schildern, dem damaligen Weltverkehr keineswegs verschlossen waren. Der erste namentliche Nachweis findet sich in Mattighofen in Oberösterreich. Am 20. November des Jahres 890 bestätigte dort König Arnulf dem Erzbistum Salzburg alle Besitztümer, darunter auch das Kloster St. Maximilians im Pongau der Salzach aufwärts bis an den Bach Gastuna (Gasteiner Ache). Möglicherweise handelt es sich dabei aber um eine 970 entstandene Fälschung. Über die Herkunft des Namens Gastein, welcher Forscher seit Jahrzehnten beschäftigt, schreibt Prof. Dr. Fritz Gruber: Die älteste schriftlich überlieferte deutsche Form des Wortes Gastein findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1203 und lautet Castuon , die ältesten lateinischen Bezeichnungen weisen die Lautformen Gastuna bzw. Castuna auf. Der Ruhm der Gasteiner Heilquellen erreichte im 16. Jh. seinen ersten Höhepunkt, und man konnte in der Sommerzeit im Bade nur schwer Unterkunft finden. 1521 begegnen wir zum erstenmal der Nennung Bad Gastein als "Wildbad". Der in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts einsetzende katastrophale Niedergang des Goldbergbaues, der Beginn der Gegenreformation, eine Anzahl von schwerwiegenden Naturkatastrophen (Pest, Erdbeben, Brände, Hochwasser) führten zu einem Stillstand und Rückschritt in der Entwicklung des Heilbades, der bis zum Ende des 18. Jhs anhielt. Im ganzen 17. und 18. Jh., bis zur Errichtung des Badeschlosses 1791 bis 1794, wurde nachweislich nur ein einziger Neubau aufgeführt. Die Anzahl der Tafernen ging wieder auf drei zurück, eine Zahl, wie sie schon 1460 bestanden hatte. Die Übernahme der Landeshoheit durch verschiedene Machthaber brachte aber auch gewisse Vorteile. 1804 nahm sich Erzherzog Ferdinand III., der das Land gegen die Toskana eingetauscht hatte, der Entwicklung des Bades besonders an. Die Schaffung eines Badekommissariates, dem Vorläufer der späteren Kurkommission und die Neueinrichtung von Postverbindungen zwischen Salzburg und Gastein fallen in diese Zeit. Nach der ersten Übernahme des Landes durch Österreich kam Kaiser Franz I. 1807 nach Gastein, um sich persönlich von den notwendigen Neuerungen zu überzeugen und erkannte die große wirtschaftliche Bedeutung der Heilquellen. Er gab den Auftrag, die Quellen neu zu fassen. Gegen Regenwasser und Verunreinigung waren sie bis dahin nicht geschützt. Zum erstenmal wurde das Heilbad seiner tatsächlichen Bedeutung entsprechend gewürdigt. Erst die endgültige Übernahme des Landes durch Österreich (1.5.1816) brachte Gastein eine Ruhezeit und damit die Voraussetzung zu weiterer Entwicklung. Kaiser Franz I. beauftragte seinen Bruder Erzherzog Johann und den Patriarchen Ladislaus Pyrker, entsprechende Vorschläge auszuarbeiten. Bautechnische Schwierigkeiten im Quellengebiet führten zu den Plänen, das Thermalwasser nach Hofgastein zu leiten. Berühmte Badegäste, wie Kaiser Franz Josef I., Kaiserin Elisabeth, Kaiser Wilhelm I., Fürst Bismarck, Grillparzer, Schubert, Schopenhauer, Wilhelm von Humboldt und verschiedene hohe Persönlichkeiten besuchten im 19. Jh. Gastein und bezeugen so das wesentliche Anwachsen seiner Bedeutung. So wuchs das alte Wildbad zum modernen Weltbad empor und die Gästezahlen konnten zwischen 1871 und 1905 verdreifacht werden. In diesem Zusammenhang sollte auf die Windischbauer- Hotelier-Dynastie hingewiesen werden. Der Oberösterreicher Aloys Windischbauer, der 1867 mit nur 60 Gulden in der Tasche nach Bad Gastein kam und gegenüber der Villa Solitude ein Geldwechslergeschäft eröffnete. Er war es, der 1882 das Hotel Elisabethhof erbaute. Elf Jahre später folgte das Hotel Gasteinerhof. Im Jahre 1900 erbaute sein Schwiegersohn den Kaiserhof. Der bisher nur mit Pferdefuhrwerk erreichbare Kurort ging durch die Verbesserung der allgemeinen Verkehrsverhältnisse durch die Erbauung der Tauernbahn (1901- 1909) einer gänzlich neuen Entwicklung entgegen. Bad Gastein und Hofgastein wurden damit dem großen Verkehr angeschlossen. Sprunghaft stiegen von dieser Zeit an die Besucherzahlen. Konnte Bad Gastein im letzten Jahr des Bestehens der Pferdepost schon 9043 Gäste aufweisen, so stieg diese Zahl 1906 (dem Jahre der Bahneröffnung bis Bad Gastein) bereits auf 13.470 und im Jahre 1909 nach Vollendung der Verbindung nach Süden sogar auf 21.492 Gäste an. Auch Hofgastein verdreifachte in dieser Zeit seine Gästezahl auf 3826, während es in den Jahrzehnten vor dem Bahnbau nur ganz bescheiden als Heilbad in Erscheinung getreten war. Bald nach dem Ersten Weltkrieg begann eine neue Blüte, ganz besonders in den Jahren 1928 bis 1932. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen brachte allerdings manche Schwierigkeiten und damit neuerlich Stillstand. Erst recht war dies der Fall im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945). Doch auch zu dieser Zeit war der Name "Gastein" wieder zugkräftig genug, und mit dem Ausbau der Kureinrichtungen und zahlreichen Neubauten stiegen die Gäste- und Übernachtungszahlen der beiden Kurorte im Sommer und Winter zu ihrer außergewöhnlichen Höhe an. Gastein - Treffpunkt der Weltpolitik Während der Kaiserbesuche fanden mehrmals diplomatische Verhandlungen statt, welche Bad Gastein in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit zogen. Die bedeutendsten waren 1865 die Gasteiner Konvention , die den Frieden zwischen Dänemark, Preußen und Österreich besiegelte, bei welcher Graf Blome für Österreich und Bismarck für Preußen die Verhandlungen führte, während 1878 in Bad Gastein der Dreibund zwischen Österreich, Deutschland und Italien abgeschlossen wurde, bei

welchem Österreich durch Graf Andrassy und Botschafter Freiherr von Beust, Deutschland durch Fürst Bismarck und Fürst Hohenlohe, Italien durch den italienischen Botschafter Crispi vertreten waren. Vor allem in Bismarcks Zeiten blieb Bad Gastein das Bad der Diplomaten . Berühmte Gäste Gasteins: 1404 Abt Otto II. vom Stift St. Peter in Salzburg - erster namentlich bekannter Kurgast 1422 Anna von Braunschweig - "die gnädige Frau von Österreich", Gattin des Tiroler Landesfürsten Herzog Friedrich III. von Österreich und Tirol 1436 Kaiser Friedrich III. - erster namhafter Kurgast 1466 Herzog Siegmund von Bayern 1525 Arzt und Philosoph Theophrastus Bombastus Paracelsus - erste Analyse des Thermalwassers, die 200 Jahre keine Änderung erfahren hat. 1535 Philipp der "kriegerische Pfalzgraf" bei Rhein und Herzog in Bayern 1537 Pfalzgraf Oth Heinrich 1615 Erzherzog Maximilian 1750 Die Mutter von Wolfgang Amadeus Mozart 1807 Kaiser Franz I. von Österreich ihm und Ladislaus Pyrker verdankt Bad Hofgastein die Thermalwasserleitung 1817 Erzbischof von Erlau und Patriarch von Venedig Ladyslaus Pyrker 1818 Franz Grillparzer 1822 Erzherzog Johann von Österreich, Bruder von Kaiser Franz I. 1824 Arthur Schopenhauer, Philosoph und Schriftsteller 1831 König Ludwig I. von Bayern 1836 König von Würtemmberg (als Graf von Teck) 1837 Kaiser Ferdinand II. 1839 Wolfgang Amadeus Mozarts Frau Konstanze als Constanzia Stats Räthin von Nissen, gewesene Witwe Mozart 1847 Komponist Giacomo Mayerbeer (angeregt durch das Geräusch des Bad Gasteiner Wasserfalls vollendete er hier die Opern Prophet und Afrikanerin an ihn erinnert die Mayerbeer-Strasse in Bad Gastein) 1854/55 Walzerkönig Johann Strauß 1859 Der Preußische Generalfeldmarschall von Moltke (an ihn erinnert der Moltke- Weg in Bad Gastein) 1861 König Otto von Griechenland (als Graf von Athen) 1861 König Leopold I. von Belgien (als Vicomte d'Ardennes) 1863 Deutscher Kaiser Wilhelm I. - insgesamt 20 Besuche zwischen 1863 und 1887 1864 Fürst Bismarck - später Reichskanzler (auch in den Jahren 1865, 1871, 1877, 1878, 1879, 1883, 1886) 1866 Freiherr von Breust - sächsischer Staatsmann und österreichischer Ministerpräsident 1871 Adolf von Menzel 1871 König Georg von Griechenland (als Graf von Athen) 1874 Admiral Tegetthoff 1880 Fürst Camillo Rohan 1883 Fürst Alexander von Bulgarien 1884 König Ferdinand von Bulgarien 1884 Prinz Ferdinand von Sachsen Coburg und Gotha (der nachmalige Fürst und König von Bulgarien)

1885 Kaiser Franz Josef - er kam v.a. zu diplomatischen Treffen mit Vertretern der Weltpolitik, gebrauchte selbst nie die Kur. Letzter Aufenthalt 1905 zur feierlichen Eröffnung der k.u.k. Tauernbahn 1885 Kaiserin Elisabeth "Sisi" (auch in den Jahren 1886, 1888, 1889, 1890, 1891 und 1893) 1886 Graf Schliffen von Preußen 1886 Feldmarschall Alfred Fürst Windischgrätz (an ihn erinnert noch heute die Windischgrätzhöhe in Bad Gastein) 1886 Graf Julius Andrassy - österreichischer Außenminister 1886 Deutscher Kaiser Wilhelm II. 1889 Österreichischer Feldmarschall Erzherzog Albrecht 1901 König Leopold II. von Belgien (erster Kurgast, der mit dem Automobil anreiste) 1902 König Karol I. von Rumänien 1903 Don Pedro, Kaiser von Brasilien 1903 Alfons, Infant von Spanien 1903 der letzte Kaiser Österreichs Kaiser Karl I. (er kam nochmals 1917 zum Truppenbesuch) 1904 König Georg von Sachsen 1912 Russischer Botschafter in Paris Isolski 1912 Englischer Staatsmann Sr. Arthur James Balfour 1912 Deutscher Reichskanzler von Bethmann-Hollweg 1912 Deutscher Botschafter in Madrid Prinz von Ratibor 1912 Deutsche Minister von Wedel und von Bülow 1912 Mrs. Winston Churchill, Gattin des englischen Premiers 1914 Der ungarische Honvéd Minister Feldzeugmeister Freiherr von Féjervári 1930 König Faisal von Irak 1934 Prinz Heinrich der Niederlande 1934 Ungarischer Ministerpräsident von Daranyi 1936 Rumänischer Außenminister Titulescu 1936 Preußischer Mininsterpräsident Braun 1936 Französischer Botschafter Francois Poncet 1936 Mrs. Sara Roosevelt, die Mutter des Präsidenten der U.S.A. 1936 Treffen italienischer Diplomaten Cerutti und Salata im Hotel Weismayr 1936 Präsident Israels Chaim Weizmann 1937 Kronprinz Wilhelm von Preußen 1937 Deutscher Botschafter von Papen 1938-45 Emma Göring, die Gattin von Reichsmarschall Hermann Göring, der öfters seine hier zur Kur weilende Gattin besuchte sowie Propagandaminister Dr. Goebbels, der zweimal nach Bad Gastein kam. Der slowakische Ministerpräsident Tuka, der kroatische Marschall Kvaternik und der japanische Botschafter Oshima, der 1945 von den Amerikanern in Bad Gastein gefangen genommen wurde. 1951 Ministerpräsident von Abessinien, Makonen Endal Katchou mit seiner Frau, der Schwester der Kaiserin von Abessinien 1951 Thomas Mann 1952 Der Maharadscha von Kapurtala 1952 Österreichischer Bundeskanzler Dr. Figl 1952 Internationale Skiwoche in Bad Gastein mit Vertretern der internationalen Skiweltklasse 1953 Österreichischer Bundeskanzler Dr. Raab 1958 Alpine Ski-WM in Bad Gastein mit Toni Sailer u.v.m. er gewann hier 3 Goldmedaillien (Abfahrt, Riesenslalom, Abfahrt Kombination)

Filmschauspieler wie Paula Wessely, Friedl Czepa, Marthe Harel, Marika Röck, Lil Dagover, Olga Tschechowa, Hertha Feiler, Hildegard Knef, Attila und Paula Hörbiger, Hans Moser; Theo Lingen sowie Myrna Loy und Douglas Fairbank jun. mit Familie (1950). Industrie- und Finanzkönige wie Krupp, Opel, Bosch, Baron Rothschild, Ölmagnat Henry Dederting, der amerikanische Eisenbahnkönig Harryman, Mr. Louis Meyer, Präsident von Goldwyn Meyer Filmgesellschaft, Mr. Robert Goelet, einer der reichsten Männer Amerikas, die beiden österr. Industriellen Mauthner-Markhof und Baron Franz Mayr-Melnhof. Österreichs Bundespräsidenten Hainisch, Dollfuss (1933), Miklas (1936) und Körner (1954) und Österreichs erster Staatspräsident Karl Seitz (1935) Zahlreiche Maler und Künstler wie Emil Löhr, Max Liebermann, Georg Petzolt, Ludwig Richter, Gustav Klimt, Franz von Deffregger, Franz Strotzberg, Rudolf von Alt, der bekannte Radierer Luigi Kasimir und die Maler Ernst Huber, Walter Boschan, Heinrich Berann und Adolf Helmberger. Der bekannte Liederkomponist Robert Schumann mit seiner Gattin Clara Schumann, die hier auch oft Konzerte gab. Franz Lehar, Paul Linke und Richard Strauß und Franz Drdla sowie die Wiener Komponisten Emmerich Kálmán, Oscar Strauß, Robert Stolz. Im Sommer 1949 vollendeten Hubert Marischka, Rudolf Österreicher und Ludwig Schmidseder in Bad Gastein ihre Operette Abschiedswalzer . Von den großen Dirigenten kamen bis 1937 u.a. Franz Schalk, Felix Weingartner und Arturo Toscanini. Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-98) verfasste insgesamt vier Gedichte über Gastein, so z.B. auch jenes vom 1. Juli 1886 während ihres ersten Aufenthaltes in Bad Gastein mit dem Titel "Gastein" (Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv, Bern): "Nur kranke Glieder dachte ich zu bringen, wo mystisch deine heissen Wasser springen, geheimnisvoll versagend und ertheilend, hier jede Hoffnung raubend, dort heilend. Doch wie der Hirsch von trauter Heimatstelle, den Pfeil im Herzen, sich flüchtend an die Quelle, So bring ich dir ein Herz, zu Tode verwundet; vernarben mag's, doch ob es je gesundet?" Die Geschichte des Bergbaus Mit Bestimmtheit kann angenommen werden, dass die Taurisker (Kelten), die als geschickte Bergleute und Bearbeiter des Erzes bekannt waren, tatsächlich hier in Gastein und im benachbarten Gebiet den Goldbergbau betrieben haben. Dazu bedurfte es vorerst keiner besonderen Einrichtungen, da man das Gold im Tagbau bis zu einer Tiefe von höchstens 5 m und auch durch Flusswäscherei gewann. Sowohl Sagen als auch Schriften aus der Zeit des beginnenden 8. Jh.s versichern, dass man an den ehemals römischen Bergwerken an der Tauernkette des Nassfeldes wieder zu arbeiten begonnen habe, wobei vor allem die Flusswäscherei genannt wird. In der von Erzbischof Heinrich erlassenen ersten Bergordnung von 1342 wird der "Bergbau in der Gastein" ausdrücklich genannt. Demnach dürfte er wahrscheinlich im 13. Jh. neu erschlossen und, als er größere Bedeutung erhielt, in gesetzliche Bahnen gelenkt worden sein. Bald wachten eigene Bergrichter über die Einhaltung dieser Verordnung. Friedrich der Bleikolb und Niklas von Laven mit seinem Schreiber Ortlein werden als älteste Gewerken namentlich genannt. Durch den aufblühenden Goldbergbau erhielt das Wirtschaftsleben des Gasteiner Tales einen ungeahnten Auftrieb. Aus dem ganzen Reiche strömten sowohl Knappen wie auch Gewerken in das entlegene Hochtal, um hier ihr Bergmannsglück zu

versuchen. Der immer mehr zur Entfaltung kommende Bergbau bot durch den gesteigerten Aufwand der Knappen und Gewerken (die in Hofgastein ihre Hauptmagazine hatten) die mannigfaltigste Gegenfracht. Zu beiden Seiten der Tauern siedelten sich wohlhabende Landwirte als sogenannte Samer an, die mit Zügen von 20 bis 50 Pferden das Überbringen der Frachten bis zu den Fahrwegen besorgten. Selbstverständlich blühte damit in Verbindung auch das Handwerk auf. Das im Gasteiner Tal verdiente Geld wurde immer wieder in den Gasteiner Betrieben angelegt. Die Kaufleute wurden Bergherren und die Bergherren betrieben Kaufmannsgeschäfte. Die Erzbischöfe griffen im eigenen Interesse stets fördernd ein und sorgten auch für den Ausbau der Handelsstraßen. Beredtes Zeugnis von dem Reichtum, der sich in dieser Zeit in der Gastein ansammelte, sind die Bauwerke des Marktes zu Hof in der Gastein. In Salzburg entstanden infolge dieses wirtschaftlichen Aufblühens große und bedeutende Handelshäuser. Kauf-, Speditions- und Wechselhäuser wurden gegründet. Handwerker, Bauern, Bürger und Kaufleute aus Deutschland, insbesondere aus Franken, Schwaben und Sachsen, aber auch aus Italien nahmen mittelbar oder unmittelbar an der unglaublichen Entfaltung des Gasteiner Bergbaues teil. Bergbahnen und Berglifte Trotz der schwierigen Situation nach dem 2. Weltkrieg wurde schon für den Winter 1945/46 der Entschluss gefasst, wenigstens einen Skilift aufzustellen. Tatsächlich konnte die Anlage S. Wührer/Ing. Landl als sogenannter "Haimalmlift" am 30.12.1945 am Graukogel fertiggestellt werden. 1947 errichtete die Gemeinde Bad Gastein die Graukogel-Sesselliftanlage, eine Fortsetzung des Haimalmliftes. 1948 beschloß man, einem Standseilprojekt auf den Stubnerkogel näherzutreten. Die Finanzierung dieses Planes gelang jedoch nicht. Im Jänner 1951 wurde dann aber eine Gondelbahn feierlich eröffnet. 1954 übernahm die Stubnerkogel-Bergbahngesellschaft die gesamte Anlage des Graukogelliftes, und im gleichen Jahr wurde der Jungeralm- Sessellift auf dem Stubnerkogel errichtet. 1987 erfolgte der komplette Neubau der Stubnerkogel-Gondelbahn. Nach dem Bau der neuen Nassfeld-Alpenstraße (1970 bis 1972) wurde schließlich das Gebiet um das Nassfeld neu für den Wintersport erschlossen; es entstand die Region "Sportgastein". 1946 erfolgte die Eröffnung des ersten Skiliftes in Bad Hofgastein von der Talstation bis zur "Äroplan" (Kitzstein). 1964 wurde die Standseilbahn (Talstation-Kitzstein), 1966 die Luftseilbahn eröffnet. Die Bergbahn-Anlagen der Schlossalm boten im Jahre 1976 bereits eine Förderleistung von 12.000 Personen pro Stunde. In Dorfgastein wurde 1971 die erste Gasteiner Skischaukel eingerichtet. Das vordere Gasteiner Tal Die "Entrische Kirche" Die Naturhöhle Entrische Kirche wurde erstmals 1428 urkundlich erwähnt. (entrisch = unheimlich) Nachweislich betrieben die bereits damals in Gastein vertretenen Lutherischen im 16. Jh. in der Höhle "pöse Prakticken" (geheime Abredungen). Und von 1730 bis 1732 zur Zeit der Gegenreformation verwendeten sie die Höhle nochmals für ihre geheimen Zusammenkünfte, d.h. zu Lesungen des Lutherischen Evangeliums. Die Burg Klammstein Wahrscheinlich fällt die Errichtung der Burg Klammstein in die Zeit um 1170, wenn wir auch noch keinen eindeutigen urkundlichen Beleg hierfür besitzen. Von ihrem Vorhandensein hören wir erst aus einem Bericht vom 15. Juli 1272. Die Grafen von Goldegg ließen die Burg zwischen 1251 und 1327 weiter ausbauen. Im Jahre 1524 wurde das Bauwerk verlassen, das Verwesamt übersiedelte nach Hofgastein, die Burg verfiel. 1598 erging die Bewilligung, die großen Außenmauern "herabzuwerfen",

damit sie die Straße nicht gefährdeten. 1608 wird das ehemalige Schloss bereits als gänzlich verfallen geschildert. Im Jahre 1877 wird das Bauwerk wie folgt beschrieben: "Die Trümmer - die kaum noch den ursprünglichen Zustand des Schlosses erkennen lassen - stehen auf einer Höhe an der Straße in der Felsenge der Klamm, und einst sperrte ein Torbogen, der sich auf die gegenüberliegende Anhöhe stützte den Zugang in das Innere des Tales. Man gelangt von Norden her über eine Zugbrücke zu einem quadratischen Turm auf einem Felskamm, auf dessen südlichem Ende in der Entfernung von 60 Schritten gleichfalls an einem quadratischen Turm ähnliches Gebäude von mäßigem Durchmesser stand. Den Abfall gegen die Straße und auf der entgegengesetzten Seite schützte eine Wehrmauer". Im Zuge des Straßenumbaues (1960-1962) wurde die Straße mit Hilfe eines Tunnels durch den Burgfelsen selbst geführt. Erst ab 1972 aber wurde dieser - dank des Verständnisses des neuen Besitzers Adolf Ferner aus Bad Hofgastein - wieder vollständig renoviert und durch die Anlage von neuen Stockwerken, einem neuen Dach und Rundgang wieder zugänglich gemacht. Die St.-Rupertus-Kirche in Dorfgastein Die St.-Rupertus-Kirche zu Dorf wird erstmalig 1350 als Kirche in der vorderen Gastein genannt, dürfte aber Jahrzehnte früher erbaut worden sein. Die Kirche steht heute noch in ihrer ursprünglichen Form, nur der Turm musste 1616 durch eine Stützmauer verstärkt werden. Seit 1857 ist die Kirche eine eigene Pfarre. Das mittlere Gasteinertal Die Kirche "Zu unserer Lieben Frau" in Bad Hofgastein Ist seit 1023 Pfarre für das Gasteiner Tal und gehört zu den schönsten und größten gotischen Baudenkmälern des Salzburger Landes. Der Ursprungbau wurde wahrscheinlich 894 errichtet, der Erweiterungsbau 1498. Von den früheren Altären bestehen noch der Hauptaltar und zwei Seitenaltäre. Der Hochaltar gilt als einer der prächtigsten Barockaltäre des Landes. 1715 wurde der rechte Seitenaltar von dem Bildhauer Mayer aus Mittersill geschaffen, der linke Seitenaltar wurde 1748 von selbigem Meister aus Mittersill errichtet. In der Zeit zwischen 1959 und 1964 erfolgte unter dem Pfarrherren Geistlicher Rat S. Dietmann eine Außen- und Innenrenovierung der gesamte Kirche. Die Evangelische Heilskirche in Bad Hofgastein Wurde zusammen mit dem Bau eines evangelischen Gemeindehauses in den Jahren 1959/60 errichtet. Die festliche Einweihung erfolgte am 25. und 26. Juni 1960 durch den evangelischen Bischof Dr. May. Das Weitmoserschlößl Wahrscheinlich war dieses alte Bauwerk in früherer Zeit das in mehreren Urkunden (1442) erwähnte Schloß "Goldegger Hof", das den Grafen von Goldegg gehörte und deren Haupthof in Gastein war. Später war das Schloß der Sitz der berühmtesten Gewerken Gasteins, der Weitmoser, und wurde in seiner heutigen Form durch Christoph Weitmoser nach der großen Brandkatastrophe von 1553 wieder errichtet, wovon eine Erinnerungstafel im Inneren zeugt. Es wurde 1835 "allerdings mit geringer Schonung der Altertümer" wie es heißt und neuerlich 1952 restauriert. Eine Hauskapelle und die Weitmoserstube mit alten Einrichtungen blieb erhalten. Das obere Gasteiner Tal Die St.-Preims-Kirche "Anno 696 ist die Kirche bei dem Pad, so St. Primus geannt, erpaut worden", berichtet unser Chronist von 1540. Urkundlich ist die Preimskirche 1333 erstmalig genannt. In den Jahren 1699 bis 1706 erfolgten kostspielige Restaurierungen, da neuerlich schwere Schäden aufgetreten waren. 1858 musste der Bau abgetragen werden, und nach manchem Planen erfolgte am 14.2.1866 die Grundsteinlegung zu

einem Neubau. Die Kirchenweihe fand am 27.11.1876 statt. Nach 1952 erfolgte die gelungene Innenrestaurierung des Baues. Im Jahre 1977 konnte die Kirche ihr 100jähriges Bestehen feiern. Seit Ende 1995 werden die Messen wieder in der Pfarrkirche gehalten, nachdem man zeitweise zur alten Nikolauskirche ausweichen musste. Die Nikolauskirche Die Nikolauskirche stellt das älteste Baudenkmal des Gasteiner Tales dar, das sich in nahezu unveränderter Form seit dem Mittelalter erhalten hat. Erstmalig wird diese zweite Filialkirche Hofgasteins 1412 urkundlich genannt. 1755 entstand der von einem unbekannten Meister geschaffene Hochaltar mit dem Altarbild des Hl. Nikolaus, umgeben von den zwei Holzplastiken des Hl. Martin und des Hl. Ulrich. Die Seitenaltäre wurden nach der Restaurierung von 1952 versetzt, um die alten Fresken freizulegen. In den Jahren 1950-1952 erfolgte eine großzügige Innenrestaurierung, die das Ziel hatte, die ursprünglichen Bauformen, Innengestaltung und Fresken wiederherzustellen. 1989 beging man feierlich das 600-Jahr-Bestandsjubiläum der Nikolauskirche, und 1993 wurde vor der Kirche anlässlich des 500. Geburtstages von Paracelsus ein vom Bischofshofener Bildhauer Dr. Guido Friedl geschaffenes Paracelsus-Denkmal enthüllt. Die "Evangelische Christopheruskapelle" in Bad Gastein 1867 wurde der Plan gefasst, in Bad Gastein ein evangelisches Gotteshaus zu errichten. 1955-1958 wurde die Kapelle gründlich renoviert, und 1972 konnte die festlich gestaltete Jahrhundertfeier begangen werden. Die Kirche "Maria von dem guten Rat" in Böckstein Auf einem aus der Eiszeit stammenden Hügel liegt am Abschluss des Haupttales die vielbesuchte Gnadenkirche "Maria von dem guten Rat", deren erster Baustein am 18. Juli 1764 aufgesetzt wurde. Am 26.7.1766 fand die Kirchweihe durch Erzbischof Sigismund Graf Schrattenbach statt. 1951-1952 wurde die Kirche vollständig restauriert und der Hochaltar von manch stöhrendem Beiwerk befreit. Eine neuerliche Außen- und Innenrenovierung wurde 1975 bis 1977 durchgeführt. Die letzte große Renovierung erfolgte 1995, als es darum ging, die 1895 von der bekannten Salzburger Orgelbauwerkstatt Albert Mauracher erbaute Orgel, wegen der inzwischen eingetretenen klanglichen und technischen Mängel, zu sanieren.

Bad Hofgastein
Dorfgastein